ST. BLASIEN. Manche spielen Tennis. Andere verbringen ihre Freizeit auf dem Ponyhof. Alex Schlegel und Hanskarl Link aus St. Blasien gehen einem ganz anderen Hobby nach. Einem Hobby, das in Zeiten von Internet, Handy und Web 2.0 ungewöhnlich erscheint: Sie sind Amateurfunker.

Zwischen DC6GG und DJ2HC hat’s gefunkt. Nein, nicht so wie man es gemeinhin annehmen könnte. Die beiden sind auch nicht verwandt mit R2-D2, dem Droiden aus Star Wars. Hinter der Buchstaben-Zahlen-Kombination verbirgt sich das Rufzeichen, das jedem Amateurfunker von der Bundesnetzagentur einmalig zugewiesen wird. Schon daran sieht man, dass nicht einfach wild drauf losgefunkt werden kann. Ganz im Gegenteil. Die 2,4 Millionen Amateurfunker weltweit sind stramm organisiert. Der Deutsche Amateur-Radio-Club versammelt 42 000 Funker unter seinem Dach. In etwa 1050 Ortsverbänden sind diese bundesweit organisiert. Alex Schlegel, DC6GG, und Hanskarl Link, DJ2HL, gehören dem Ortsverband Hochschwarzwald an, der zur Zeit mit 24 Mitgliedern eine kleine Einheit bildet.

Was aber treibt die beiden Funker an? Woher rührt die Faszination? "Für mich ist es einfach spannend, dass ich drahtlos mit Menschen aus aller Welt kommunizieren kann", erklärt Schlegel. Gut, wird sich der eine oder andere denken, das kann ich ja schon lange übers Telefon oder Internet. Aber da übersieht man vielleicht einen wesentlichen Faktor: "Es ist schwierig zu erklären, aber die Kommunikation per Funk ist materieller, ich kann mir das besser vorstellen. Die Technik ist greifbar, vor allen Dingen weil ich mir meine Geräte auch selber baue." Gutes Stichwort. Hanskarl Link erinnert sich, dass er als Bub seine ersten Funkgeräte aus alten Radios selbst gebastelt hat. Und das Werkzeug eines Amateurfunkers ist ebenso vielfältig, wie die verschiedenen Arten von Funkübertragung. Da gibt es Morsen, Sprechfunk, Datenfunk, Satellitenfunk. Allein die Amateurfunker haben 60 Satelliten im All. Hanskarl Link hatte per Funk Kontakt zum Vorgänger der ISS, der MIR. Aber das ist noch nicht alles. "Sei es ein Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, der in Somalia Brunnen baut, oder ein Soldat in Afghanistan – wir haben Kontakt zu vielen Menschen weltweit", erklärt Link. Auf die Frage, was der interessanteste Funkkontakt gewesen sei, finden beide rasch eine Antwort. "Ich habe den Kontakt zu einem Deutschen aufgebaut, der nach Venezuela ausgewandert ist", verrät Alex Schlegel. Hanskarl Link erzählt, dass er einmal über Funk den Notruf eines Arztes aus Algerien erhalten habe. Dieser brauchte dringend ein Medikament für ein kleines Mädchen, konnte aber seinen Kollegen in München nicht erreichen. "Ich konnte den Kontakt zwischen Algerien und Deutschland herstellen."

In Situationen, wo gar nichts mehr geht und die modernen Kommunikationsmittel uns im Stich lassen, sind es meist die Amateurfunker, die wichtige Nachrichten zuerst übermitteln. Link beschreibt, wie er bei der Tsunamikatastrophe vor fünf Jahren 30 Familien mitteilen konnte, dass es ihren Angehörigen, die sich in Thailand aufgehalten haben, gut geht.

Funken kann also ein sehr sinnvolles Hobby sein. Trotzdem ist es um den Nachwuchs in Deutschland nicht gut bestellt. "Der Altersdurchschnitt steigt in den letzten Jahren", so Link. Dabei sei das Funken hochspannend, erklärt Schlegel. "Da ist für jeden was dabei. Technikfreaks können sich ebenso austoben, wie Menschen, die einfach gerne kommunizieren und sich austauschen." Das erklärt wohl auch, warum sich Amateurfunker in allen Berufsparten und sozialen Schichten finden lassen. König Hussein von Jordanien tut es, Juan-Carlos von Spanien auch. Der Architekt funkt ebenso wie der Lehrer, der Straßenwärter oder der Elektriker. Und noch dazu international, ohne jedoch mühsam Fremdsprachen lernen zu müssen. Denn die Amateurfunker bedienen sich sogenannten Q-Gruppen, international festgelegten Abkürzungen, die jeder versteht. QTR steht zum Beispiel steht für die Zeitangabe oder die Frage, wie es spät es ist. QSL bestätigt zunächst einfach den Kontakt.

Die St. Blasier Funker halten zu einer Zeit in der Woche Kontakt, wo andere mit Verwandten telefonieren oder sich mit den Kegelbrüdern zum Frühschoppen treffen – nämlich am Sonntagvormittag.